Lage und Klima
Die Weinberge Wiesbadens gehören geografisch und rechtlich zum Rheingau. Hier biegt der Rhein am Rheinknie scharf nach Westen ab. Das Stadtgebiet reicht von den Höhen des Taunus über Taunusvorland und Wiesbadener Becken bis zur Rheinebene; dazwischen liegen mehr als 500 Höhenmeter. Milde Winter und warme Sommer prägen das Klima. Die bewaldeten Taunushänge schützen vor kalten Nordwinden, während der Rhein zur Wärmereflexion beiträgt. Im Rheingau werden jährlich mehr als 1.600 Sonnenstunden, rund 580 Millimeter Niederschlag und eine mittlere Jahrestemperatur von 10,6 °C angegeben.
Weinbau und Rebsorten
In Wiesbaden sind 239 Hektar Rebfläche offiziell anerkannt, davon waren 183 Hektar bepflanzt. Aktive Weinbergsflächen liegen unter anderem in Kostheim, Frauenstein, Schierstein, Dotzheim, Delkenheim und im Nordosten der Stadt. Riesling dominiert mit etwa 80 Prozent der Produktion, während Spätburgunder rund 10 Prozent ausmacht. In Kostheim wachsen neben Riesling und Spätburgunder auch Grauburgunder, Gewürztraminer und Chardonnay. Schierstein verfügt über ein breiteres Spektrum, darunter Müller-Thurgau, Weißburgunder, Silvaner, Dornfelder, Saint Laurent und Merlot.
Böden und Weinlagen
Die Böden unterscheiden sich je nach Lage deutlich. Der Kostheimer Steig ist von sandigen und kiesigen Mainablagerungen mit Löss und Lösslehm geprägt. In der Weiß Erd finden sich Löss- und Lösslehmböden mit unterschiedlich kiesigem tertiärem Mergel, während der St. Kiliansberg tonige, kalkreiche Mergelböden besitzt. Der Frauensteiner Herrnberg weist mittel- bis tiefgründige Lösslehmböden sowie Phyllitverwitterungsböden auf. Am Neroberg wachsen die Rieslingreben auf steinig-grusigen Böden aus Serizitgneis mit Lösslehmbeimengungen.
Geschichte und Weinstil
Archäologische Funde belegen Weinbau im Wiesbadener Raum bereits im zweiten Jahrhundert nach Christus. Schriftlich erwähnt werden Weinberge in Kostheim 927 und in Schierstein 973; für Dotzheim ist Weinbau seit 1275, für Delkenheim seit 1290 dokumentiert. Der Neroberg wurde 1525/1526 erstmals für den Weinbau gerodet und ist heute als Kulturdenkmal und geschützte Anlage ausgewiesen. Die Weine des Dotzheimer Judenkirch werden als bodengeprägt und von stählerner Säure beschrieben. Der Riesling vom Neroberg gilt als fruchtig-würzig mit pikantem Säurespiel und ist in der Jugend häufig verschlossen.