Lage und Einordnung
Das Lottenstück ist eine gesetzlich erfasste Einzellage im Nieder-Ingelheimer Gemarkungsbereich von Ingelheim am Rhein. Sie gehört zur Großlage Kaiserpfalz im Weinbaubereich Bingen und liegt in Rheinhessen. Im Weinlagenverzeichnis des Landes Rheinland-Pfalz ist sie unter der Weinlagennummer 710316 geführt. Die bestockte Rebfläche betrug im Weinlagenverzeichnis 2024 48,9 Hektar.
Topografie und Böden
Die Rebflächen liegen auf etwa 130 bis 220 Metern Höhe und sind nach Nordwesten ausgerichtet. Dadurch zählt das Lottenstück zu den kühleren Lagen; im Vergleich zu den südlicher ausgerichteten Hängen Ingelheims setzt die Reife mehrere Tage später ein. Als Böden sind Kalk-Rendzina und Sand-Rigosol dokumentiert. Die Kalk-Rendzina entstand aus tertiären Meeresablagerungen im Zusammenhang mit einem kalkhaltigen Algenriff und ist flach bis mittelgründig, stark kalkhaltig sowie steinig-sandig. Der Sand-Rigosol besteht aus tiefem, kalkhaltigem Sand, der während der Eiszeiten aus verwehtem kalkhaltigem Staub und Sand entstand.
Weinstile und Rebsorten
Auf den Bereichen mit Kalk-Rendzina werden ausdrucksstarke, aromatische Weine mit ausgewogener Säure sowie mineralischen oder kreidigen Noten verbunden. Die Sand-Rigosol-Flächen werden überwiegend mit Rotweinstilen in Verbindung gebracht, die fruchtintensiv, dicht strukturiert und von milder Säure geprägt sind. Für das Lottenstück sind unter anderem Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Frühburgunder, Spätburgunder, Silvaner, Johanniter, Kerner, Scheurebe, Regent und Saint Laurent dokumentiert.
Name und Bewirtschaftung
Für den Namen Lottenstück werden zwei regionale Herleitungen überliefert: Eine Deutung führt ihn auf das mittelhochdeutsche Wort für einen Trieb oder jungen Wald zurück, eine andere auf Lotte, die lokale Bezeichnung für einen auf dem Rücken getragenen Lesekorb. Für die ökologische Bewirtschaftung werden unter anderem Begrünung, die Beobachtung der Bodenstruktur, Wetter- und Krankheitsmessungen sowie Computermodelle genannt. Ergänzend kommen natürliche Mittel wie Gesteinsmehle und Pflanzenextrakte zum Einsatz. Die Weinbergsarbeiten umfassen manuellen Rebschnitt, Biegen der Ruten, Ausbrechen von Trieben, Ausdünnen und Heften.