Frankreich besitzt keine einheitlich „besten“ Weinjahrgänge. Das Land reicht von der kühlen Champagne bis zum mediterranen Süden. Ein heißes Jahr kann für Cabernet Sauvignon im Bordeaux oder Syrah an der Rhône hervorragend sein, während Chardonnay in Chablis an Frische verliert.
Auch innerhalb einer Region reagieren Rebsorten und Appellationen unterschiedlich. Merlot reift früher als Cabernet Sauvignon, Chardonnay benötigt andere Bedingungen als Pinot Noir, und edelsüße Weine sind auf geeignete Bedingungen für Botrytis angewiesen.
Eine französische Jahrgangstabelle sollte deshalb immer als Einstieg und nicht als endgültiges Qualitätsurteil verstanden werden.
Was macht einen großen französischen Jahrgang aus?
Ein großer Jahrgang verbindet gesunde Trauben, vollständige Reife, ausreichende Säure und günstige Bedingungen während der Lese. Wie diese Balance aussieht, hängt von der Region ab.
In Bordeaux ist ein trockener Herbst wichtig, damit spät reifender Cabernet Sauvignon vollständig ausreifen kann. Im Burgund muss Pinot Noir reif werden, ohne Eleganz zu verlieren. Champagne benötigt eine Verbindung aus Reife, Säure und gesunden Grundweinen.
An der Loire und im Elsass sind die Anforderungen von Riesling, Chenin Blanc, Sauvignon Blanc und Cabernet Franc sehr unterschiedlich. Die Rhône profitiert häufig von Wärme, darf aber nicht unter extremer Trockenheit leiden.
Bordeaux: 2005, 2009, 2010, 2016 und 2019
Zu den wichtigsten modernen Bordeaux-Jahrgängen gehören 2005, 2009, 2010, 2016 und 2019.
2005 und 2010 sind strukturiert, tanninreich und langlebig. 2009 fällt reifer, opulenter und häufig früher zugänglich aus. 2016 verbindet klassische Struktur mit reifen Gerbstoffen.
2019 zeigt in vielen Appellationen eine überzeugende Balance aus Frucht, Frische und Konzentration. Auch 2015, 2018, 2020 und 2022 brachten zahlreiche Spitzenweine hervor.
Entscheidend ist, ob der Wein vom linken oder rechten Ufer stammt. Ein großes Cabernet-Jahr muss nicht identisch für Merlot verlaufen.
Burgund: 2005, 2010, 2014, 2019 und 2020
Im Burgund sollte zwischen Rot- und Weißwein unterschieden werden. 2005 zählt zu den großen modernen Jahren für Pinot Noir. 2010 verbindet Präzision, Frische und Konzentration.
2014 gilt als besonders stark für Chardonnay. Die Weißweine besitzen Säure und mineralisch wirkende Spannung, während die Rotweine leichter ausfallen.
2019 und 2020 brachten konzentrierte Spitzenweine in beiden Farben hervor. 2019 wirkt häufig nuancierter und klassischer, 2020 reifer und kraftvoller.
Auch der Erzeuger besitzt im Burgund einen enormen Einfluss. Ein starker Produzent kann in einem schwierigen Jahr bessere Weine erzeugen als ein schwächerer Betrieb in einem gefeierten Jahr.
Champagne: 2002, 2008, 2012 und 2013
Champagne erklärt nicht automatisch jedes gute Jahr zum Jahrgang. Die einzelnen Häuser und Winzer entscheiden selbst, ob sie einen Millésime abfüllen.
2002 brachte reife, kraftvolle Champagner hervor. 2008 gilt als moderner Referenzjahrgang mit hoher Säure und großem Reifepotenzial.
2012 verbindet Konzentration und Frische, während 2013 einen kühleren, geradlinigeren Stil zeigt. Besonders Chardonnay konnte 2013 ausgezeichnet gelingen.
Ältere Spitzenjahre sind unter anderem 1988, 1989, 1990, 1995 und 1996. Bei gereiften Flaschen sind Degorgierdatum und Lagerung entscheidend.
Rhône: Unterschiedliche Stärken im Norden und Süden
An der nördlichen Rhône entstehen Syrah sowie Weißweine aus Viognier, Marsanne und Roussanne. Bedeutende moderne Jahre sind unter anderem 2005, 2009, 2010, 2015, 2016, 2019 und 2020.
Die südliche Rhône ist wärmer und von Grenache-geprägten Cuvées bestimmt. 2007, 2010, 2015, 2016 und 2019 gehören zu den erfolgreichen Jahren.
2010 und 2016 verbinden häufig Reife mit Frische. Besonders heiße Jahrgänge können sehr kraftvolle Weine hervorbringen, erfordern aber eine sorgfältige Auswahl nach Erzeuger und Lage.
Loire: 2005, 2014, 2019 und 2022
Die Loire umfasst Muscadet, Sancerre, Vouvray, Savennières, Chinon und zahlreiche weitere Herkunftsgebiete. Entsprechend unterschiedlich fällt die Jahrgangsbewertung aus.
2005 war sowohl für Chenin Blanc als auch für Cabernet Franc stark. 2014 brachte präzise, säurebetonte Weißweine hervor. 2019 verbindet Reife und Frische und zählt zu den vollständigsten modernen Jahren.
2022 ist reif und konzentriert, sollte aber nach Lage und Erzeuger ausgewählt werden. Bei älteren Chenin-Blanc-Weinen gehören auch 1989, 1990 und 1996 zu den wichtigen Jahrgängen.
Elsass und Jura
Im Elsass brachten 2001, 2007, 2008, 2010, 2017 und 2019 präzise, lagerfähige Rieslinge hervor. Wärmere Jahre wie 2015, 2018, 2020 und 2022 ergeben meist kräftigere und reifere Weine.
Im Jura sind 2009, 2010, 2015, 2017, 2019, 2020 und 2022 besonders interessant. Die Bewertung hängt davon ab, ob ein frischer Chardonnay, ein traditionell ausgebauter Savagnin, Vin Jaune oder Rotwein gesucht wird.
Vin Jaune besitzt eine außergewöhnliche Langlebigkeit und kann in guten Jahrgängen mehrere Jahrzehnte reifen.
Welche französischen Jahrgänge sind besonders sicher?
Über mehrere Regionen hinweg waren 2005, 2010, 2015, 2016 und 2019 besonders erfolgreich. Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Gebiet in diesen Jahren gleich gut war.
2008 ist beispielsweise für Champagne, Burgund und einige kühle Weißweinregionen bedeutend, während Bordeaux 2009 oder 2010 stärker einzuschätzen ist.
2014 ist hervorragend für viele französische Weißweine, aber weniger einheitlich für kraftvolle Rotweine. 2018 und 2020 brachten reife, konzentrierte Weine hervor, können jedoch höhere Alkoholwerte zeigen.
Jahrgang ist nur ein Teil der Kaufentscheidung
Bei jungen Weinen sollten Region, Appellation, Rebsorte und gewünschter Stil berücksichtigt werden. Bei älteren Flaschen kommen Lagerhistorie, Füllstand und Verschluss hinzu.
In Frankreich kann ein weniger bekannter Jahrgang eines hervorragenden Erzeugers attraktiver sein als ein berühmtes Jahr aus problematischer Lagerung.
Die beste Auswahl entsteht daher nicht durch eine nationale Rangliste. Wer Jahrgang, Region und Produzent gemeinsam bewertet, findet französische Weine mit sehr unterschiedlichem, aber außergewöhnlichem Reifepotenzial.