Die besten Weinjahrgänge im Rheingau

Große Riesling- und Spätburgunder-Jahrgänge zwischen Rhein und Taunus Slug: die-besten-jahrgaenge-im-rheingau

True Wine Redaktion 6 Min. Lesezeit Weinwissen
Die besten Weinjahrgänge im Rheingau
Der Rheingau ist eine der traditionsreichsten Weinregionen Deutschlands. Zwischen dem Rhein und den geschützten Hängen des Taunus entstehen vor allem Rieslinge mit klarer Säure, reifer Frucht und großem Reifepotenzial. In Assmannshausen und weiteren geeigneten Lagen besitzt außerdem Spätburgunder eine lange Tradition.
Das Gebiet ist vergleichsweise klein, weist aber erhebliche Unterschiede bei Boden, Höhe und Exposition auf. Ein warmer Jahrgang kann in kühleren Weinbergen ideale Bedingungen schaffen, während besonders geschützte Lagen bereits unter Trockenheit leiden.
Eine Jahrgangsbewertung sollte deshalb nicht nur das Wetter, sondern auch Lage, Rebsorte, Erntezeitpunkt und gewünschten Weinstil berücksichtigen.

Was macht einen großen Rheingau-Jahrgang aus?

Viele Rheingauer Weinberge sind nach Süden ausgerichtet und profitieren von der Licht- und Wärmereflexion des Rheins. Der Taunus schützt sie teilweise vor kalten Nordwinden.
Riesling benötigt eine lange, gleichmäßige Reife. Die besten Jahre bringen gesunde Trauben mit reifen Aromen und einer Säure hervor, die dem Wein Spannung verleiht. Für edelsüße Weine sind zusätzlich geeignete Bedingungen für späte Lese und Edelfäule erforderlich.
Spätburgunder profitiert von Wärme, darf aber nicht überreif werden. Vollständige Reife der Schalen und Kerne ist notwendig, um grüne Gerbstoffe zu vermeiden.

Historische Jahrgänge: 1921, 1953, 1976 und 1993

Zu den legendären Rheingau-Jahrgängen des 20. Jahrhunderts zählen 1921, 1953, 1976 und 1993. Besonders hochwertige Rieslinge und edelsüße Prädikatsweine konnten über Jahrzehnte reifen.
Solche Flaschen sind heute selten und ihr Zustand variiert erheblich. Selbst ein berühmter Jahrgang bietet keine Sicherheit, wenn der Wein Wärme oder starken Temperaturschwankungen ausgesetzt war.
Historische Jahrgangsangaben sind daher vor allem kultur- und weingeschichtlich interessant. Für den Kauf einer konkreten Flasche ist eine nachvollziehbare Lagerung unverzichtbar.

2007: Lange Vegetation und harmonische Reife

2007 besaß eine lange Vegetationsperiode und günstige Bedingungen während der Lese. Riesling konnte vollständig ausreifen und gleichzeitig seine Säure bewahren.
Die Weine zeigen häufig Zitrusfrüchte, Pfirsich, Kräuter und eine klare mineralisch wirkende Struktur. Hochwertige trockene Rieslinge können noch heute frisch und ausgewogen wirken.
Auch edelsüße Prädikatsweine gelangen in geeigneten Lagen. Der Jahrgang verbindet Reife und Harmonie und gehört zu den verlässlichen Jahren der frühen 2000er.

2010 und 2011: Säure oder reife Fülle

Der Jahrgang 2010 brachte eine kleine Ernte und ungewöhnlich hohe Säurewerte hervor. Gute Erzeuger produzierten daraus straffe, langlebige Rieslinge mit großer Spannung. Weniger ausgewogene Exemplare können hart wirken.
2011 war wärmer und früher. Trotz Frost und wechselhafter Bedingungen entstanden reife, fruchtbetonte Weine. Riesling zeigt häufig gelbe Früchte, Fülle und eine zugängliche Struktur.
Für einen kühlen, säurebetonten Stil ist 2010 interessant. Wer reifere Frucht und frühere Zugänglichkeit bevorzugt, findet in 2011 passendere Weine.

2012 und 2013: Balance und klassische Frische

2012 brachte vielfach ausgewogene Rieslinge mit klarer Frucht und harmonischer Säure hervor. Die Weine sind weniger extrem als 2010 und weniger opulent als 2011.
2013 war kühler und anspruchsvoller. Sorgfältige Arbeit und Selektion waren entscheidend. Gute Erzeuger konnten schlanke, präzise Rieslinge mit klassischer Säure produzieren.
Die besten 2012er bieten heute eine attraktive Reife. Erfolgreiche 2013er sprechen Liebhaber eines zurückhaltenden, kühlen Stils an.

2014 und 2015: Präzision oder Kraft

2014 war durch feuchte Bedingungen und hohen Selektionsbedarf geprägt. Gute Betriebe erzeugten dennoch klare, frische Rieslinge. Die Unterschiede zwischen den Erzeugern sind erheblich.
Der warme und trockene Jahrgang 2015 brachte reife, konzentrierte Trauben hervor. Riesling zeigt häufig gelbe Frucht, Kräuter und eine kräftige Struktur. Die besten Weine besitzen genügend Säure für eine lange Entwicklung.
Auch Spätburgunder profitierte von der Wärme. Hochwertige 2015er gehören zu den kraftvolleren modernen Rheingau-Weinen.

2017: Kleine Ernte und konzentrierte Weine

Frost reduzierte 2017 die Erntemenge. Die verbliebenen Trauben erreichten unter günstigen Herbstbedingungen eine ausgezeichnete Reife.
Riesling zeigt häufig Konzentration, klare Frucht und lebendige Säure. Die besten trockenen Weine verbinden Kraft mit Präzision.
Auch edelsüße Qualitäten konnten hervorragend gelingen. Wegen der kleinen Erntemenge sind Spitzenweine aus diesem Jahr vergleichsweise selten.

2018: Wärme, Reife und ein großzügiger Stil

2018 war außergewöhnlich warm und trocken. Riesling erreichte hohe Reifegrade und entwickelte intensive Frucht.
Die Weine wirken häufig kraftvoll, weich und früh zugänglich. In kühleren oder höher gelegenen Weinbergen blieb mehr Säure erhalten. Besonders geschützte Lagen konnten dagegen sehr reife, alkoholreichere Weine hervorbringen.
Spätburgunder profitierte von der Wärme und zeigt dunklere Frucht sowie reife Gerbstoffe. Der Jahrgang eignet sich für Genießer, die einen großzügigen Stil bevorzugen.

2019: Einer der vollständigsten modernen Jahrgänge

2019 verbindet Reife, Säure und aromatische Klarheit. Riesling zeigt häufig Zitrusfrüchte, Steinobst, Kräuter und eine präzise mineralisch wirkende Struktur.
Die besten trockenen Lagenweine besitzen Kraft, ohne schwer zu wirken. Auch restsüße und edelsüße Rieslinge profitierten von der Balance.
Spätburgunder gelang in vielen geeigneten Lagen ebenfalls ausgezeichnet. Der Jahrgang zählt zu den verlässlichsten Empfehlungen für moderne Rheingau-Weine und besitzt ein erhebliches Reifepotenzial.

2020: Früh, warm und konzentriert

2020 war ein warmer und trockener Jahrgang mit früher Lese. Riesling zeigt reife Frucht und eine offene, häufig kraftvolle Struktur.
Gute Erzeuger bewahrten durch geeignete Lagen und rechtzeitige Lese genügend Frische. Die besten Weine verbinden Pfirsich und gelbe Zitrusfrüchte mit würzigen und mineralisch wirkenden Noten.
Spätburgunder besitzt reife Frucht und geschmeidige Gerbstoffe. Viele 2020er sind früher zugänglich als die entsprechenden Weine aus 2019.

2021 und 2022: Klassische Säure oder warme Konzentration

2021 war kühl, feucht und arbeitsintensiv. Riesling profitierte bei sorgfältiger Selektion von der langen Reife und bewahrte eine ausgeprägte Säure. Gute Weine wirken schlank, präzise und klassisch.
2022 war heiß und trocken. Tief wurzelnde Reben und wasserspeichernde Böden waren im Vorteil. Die Weine zeigen reife Frucht und Konzentration.
Die besten 2022er besitzen überraschend viel Frische, während weniger ausgewogene Weine breiter ausfallen können. Der Jahrgang sollte gezielt nach Lage und Erzeuger ausgewählt werden.

Welche Rheingau-Jahrgänge sollte man kaufen?

Für trockenen Riesling mit klassischer Säure bieten sich 2007, 2010, 2012, 2013, 2017, 2019 und 2021 an. Wer einen reiferen, kraftvolleren Stil bevorzugt, sollte 2011, 2015, 2018, 2020 oder 2022 berücksichtigen.
Bei Spätburgunder sind 2015, 2017, 2018, 2019, 2020 und 2022 besonders interessant. Für restsüße und edelsüße Rieslinge bieten unter anderem 2007, 2011, 2015, 2017 und 2019 gute Voraussetzungen.
Hochwertige trockene Rieslinge können zehn bis zwanzig Jahre oder länger reifen. Große Spätlesen und Auslesen entwickeln sich häufig über mehrere Jahrzehnte.

Jahrgang und Stil gemeinsam betrachten

Der Rheingau kann sowohl straffe, mineralisch wirkende Rieslinge als auch kraftvolle, reife Weine hervorbringen. Welcher Jahrgang der beste ist, hängt daher vom persönlichen Geschmack ab.
Lage, Erzeuger, Erntezeitpunkt und Süßegrad sind mindestens so wichtig wie das Jahr auf dem Etikett. Wer diese Faktoren gemeinsam betrachtet, findet im Rheingau einige der langlebigsten und charaktervollsten Rieslinge Deutschlands.