Die besten Weinjahrgänge im Jura

Große Jahrgänge für Chardonnay, Savagnin, Vin Jaune und die roten Rebsorten des Jura

True Wine Redaktion 8 Min. Lesezeit Weinwissen
Die besten Weinjahrgänge im Jura
Das Jura gehört zu den kleinsten und eigenständigsten Weinregionen Frankreichs. Zwischen Burgund und der Schweizer Grenze entstehen hier Weine, die sich kaum in eine klassische Kategorie einordnen lassen: frische, nicht oxidative Chardonnays, unter einer Hefeschicht gereifte Savagnins, jahrzehntelang haltbare Vin Jaunes sowie charaktervolle Rotweine aus Poulsard, Trousseau und Pinot Noir.
Weil das Klima im Jura von erheblichen Schwankungen geprägt ist, spielt der Jahrgang eine wichtige Rolle. Spätfrost, Regen, Hitze, Trockenheit und ein hoher Krankheitsdruck können Qualität und Erntemenge stark beeinflussen. Trotzdem lässt sich ein Jahr nicht mit einer einzigen Bewertung zusammenfassen. Ein warmer Jahrgang kann für Trousseau hervorragend sein, während ein kühleres Jahr besonders präzise Chardonnay- oder Savagnin-Weine hervorbringt.
Dieser Überblick zeigt, welche Jura-Jahrgänge seit 2009 besonders interessant sind, wie sich ihre Stile unterscheiden und worauf Sammler und Genießer beim Kauf achten sollten.

Warum der Jahrgang im Jura so wichtig ist

Die Weinberge des Jura liegen überwiegend auf Höhen zwischen etwa 250 und 450 Metern. Das Klima ist kontinental geprägt: Die Winter können kalt, die Sommer warm und Gewitter während der Vegetationsperiode heftig ausfallen.
Besonders problematisch ist der Frühling. Austrieb und Blüte können durch Frost, Hagel oder anhaltenden Regen beeinträchtigt werden. In feuchten Jahren steigt außerdem das Risiko von Pilzkrankheiten. Warme und trockene Sommer erleichtern zwar die Reife, können auf leichteren Böden aber zu Trockenstress und sinkender Säure führen.
Die besten Jahrgänge verbinden deshalb reife, gesunde Trauben mit ausreichender Frische. Gleichzeitig kommt es auf die Arbeit der Weingüter an. Eine sorgfältige Auswahl der Trauben und ein präziser Ausbau können in schwierigen Jahren hervorragende Weine hervorbringen.

Nicht jeder Weinstil braucht dasselbe Wetter

Eine Jahrgangsbewertung für das Jura sollte immer den Weinstil berücksichtigen. Frische, „ouillé“ ausgebaute Weißweine werden regelmäßig aufgefüllt und weitgehend vor Sauerstoff geschützt. Sie profitieren von klarer Frucht, guter Säure und einer präzisen Struktur.
Traditionelle, nicht aufgefüllte Weine entwickeln dagegen unter einer Hefeschicht oxidative und würzige Aromen. Hier stehen häufig Nuss, Curry, Gewürze, getrocknete Früchte und salzige Eindrücke im Vordergrund.
Vin Jaune wird aus Savagnin erzeugt und reift mindestens sechs Jahre und drei Monate im Fass, ohne regelmäßig aufgefüllt zu werden. Er benötigt gesunde, konzentrierte Trauben und besitzt ein außergewöhnliches Alterungspotenzial.
Bei den Rotweinen reagieren die Rebsorten ebenfalls unterschiedlich. Poulsard ergibt meist helle, duftige und feingliedrige Weine. Trousseau benötigt mehr Wärme und entwickelt in reifen Jahren dunklere Frucht und größere Kraft. Pinot Noir kann besonders in ausgeglichenen, nicht zu heißen Jahren überzeugen.

2009: Reif, großzügig und heute gut entwickelt

Der Jahrgang 2009 brachte im Jura reife und vergleichsweise kräftige Weine hervor. Die warmen Bedingungen ermöglichten hohe Reifegrade und eine großzügige Frucht. Viele Weißweine wirken heute rund, würzig und vollständig entwickelt.
Savagnin und traditionelle oxidative Weine profitierten von der Konzentration. Auch die roten Rebsorten erreichten eine gute Reife. Trousseau zeigt in gelungenen Exemplaren Wärme und dunkle Frucht, während Poulsard eher weich und zugänglich ausfällt.
Bei heute angebotenen Flaschen ist die Lagerung entscheidend. Die besten Weißweine und Vin Jaunes können weiterhin überzeugen, während einfachere Rotweine ihren Höhepunkt bereits überschritten haben können.

2010: Kühlere Präzision und ausgezeichnete Säure

Nach dem reifen Jahr 2009 fiel 2010 kühler und klassischer aus. Die Weine besitzen häufig mehr Säure, eine schlankere Struktur und größere Spannung.
Besonders Chardonnay und Savagnin können aus diesem Jahr sehr interessant sein. Die besten Weine verbinden Zitrusfrüchte, Kräuter, Kalk und eine ausgeprägte salzige Würze. Ihr Reifepotenzial wurde anfangs teilweise unterschätzt, doch gut gelagerte Flaschen zeigen heute eine attraktive Balance aus Frische und beginnender Reife.
Für Liebhaber eleganter, präziser Jura-Weine kann 2010 spannender sein als ein wärmeres und opulenteres Jahr.

2011: Früh reif und zugänglich

Die Vegetation verlief 2011 früh, und vielerorts konnten reife Trauben gelesen werden. Die Weine präsentieren sich häufig offen, aromatisch und zugänglich.
Viele Rotweine entwickelten früh Charme und weiche Texturen. Auch die Weißweine sind eher von reifer Frucht als von strenger Säure geprägt. Die besten Savagnins und Vin Jaunes können weiterhin gut reifen, während einfachere Weine meist für einen früheren Genuss gedacht waren.
2011 ist kein einheitlicher Spitzenjahrgang, bietet aber bei guten Erzeugern attraktive, heute bereits entwickelte Weine.

2015: Einer der vollständigsten Jahrgänge

2015 zählt zu den überzeugendsten modernen Jahrgängen im Jura. Die Trauben erreichten eine hohe Reife, ohne dass die besten Weine ihre Frische verloren. Das Ergebnis sind konzentrierte, harmonische und lagerfähige Weine.
Chardonnay zeigt häufig reife Zitrusfrüchte, gelben Apfel und eine kräftige mineralisch wirkende Struktur. Savagnin besitzt Substanz und Würze. Trousseau profitierte von der Wärme, während gute Poulsards aromatisch und seidig ausfallen.
Die besten Weine aus 2015 befinden sich heute in einer interessanten Entwicklungsphase. Kräftige Weißweine und Vin Jaunes besitzen noch beträchtliche Reserven. 2015 ist deshalb eine der verlässlichsten Empfehlungen für Käufer, die reife Frucht und Struktur suchen.

2017: Winzige Mengen, aber bemerkenswerte Qualität

Der Frühjahrsfrost von 2017 traf das Jura besonders hart. In vielen Weinbergen wurden große Teile der Ernte zerstört. Entsprechend selten sind die Weine dieses Jahrgangs.
Die geringe Menge bedeutet jedoch nicht, dass es an Qualität fehlt. Die verbliebenen Trauben konnten bei sorgfältiger Arbeit konzentrierte und charaktervolle Weine ergeben. Zahlreiche 2017er besitzen eine klare Frucht, lebendige Säure und eine bemerkenswerte Dichte.
Wegen der kleinen Produktion sind begehrte Flaschen schwer zu finden. Beim Kauf sollte der Name des Erzeugers wichtiger sein als die pauschale Bewertung des Jahrgangs.

2018: Warm, reif und großzügig

2018 war ein warmer Jahrgang mit deutlich besseren Erträgen als 2017. Die Weine zeigen häufig reife Frucht, Fülle und einen vergleichsweise offenen Charakter.
Trousseau und Pinot Noir profitierten von der Wärme. Die besten Rotweine verbinden Fruchtreife mit genügend Frische, während weniger ausgewogene Exemplare etwas breit wirken können. Bei Chardonnay und Savagnin waren Erntezeitpunkt und Säuremanagement besonders wichtig.
2018 eignet sich für Genießer, die einen großzügigen, zugänglichen Jura-Stil bevorzugen. Die besten Weißweine besitzen genügend Struktur für eine weitere Reifung, viele Rotweine bereiten bereits jetzt Freude.

2019: Spannung, Konzentration und großes Potenzial

2019 wird von vielen Jura-Liebhabern besonders hoch eingeschätzt. Der Jahrgang verbindet Reife mit Frische und brachte in allen Farben charaktervolle Weine hervor.
Chardonnay zeigt häufig eine konzentrierte Frucht, markante Säure und einen langen, salzigen Abgang. Savagnin besitzt Würze und Struktur. Auch Poulsard, Trousseau und Pinot Noir konnten aromatische, präzise Weine ergeben.
Viele Spitzenweine aus 2019 befinden sich noch am Anfang ihrer Entwicklung. Wer jugendliche Energie schätzt, kann sie bereits öffnen. Für größere Komplexität lohnt sich eine weitere Lagerung.

2020: Frühe Reife und konzentrierte Weine

2020 war ein früher und warmer Jahrgang. Die Erntemengen fielen bei vielen Betrieben klein aus, die gesunden Trauben erreichten jedoch eine hohe Reife.
Die besten Weine verbinden reife Frucht mit erstaunlicher Frische. Weißweine wirken häufig konzentriert und klar, während Trousseau und Pinot Noir von den warmen Bedingungen profitieren konnten.
Einige 2020er sind bereits zugänglich, sollten aber nicht vorschnell als einfache, früh trinkbare Weine betrachtet werden. Hochwertige Chardonnays, Savagnins und Vin-Jaune-Grundweine besitzen ein gutes Entwicklungspotenzial.

2022: Reif, gesund und vielversprechend

Nach dem äußerst schwierigen und kleinen Jahr 2021 brachte 2022 günstigere Bedingungen und deutlich bessere Mengen. Hitze und Trockenheit prägten die Vegetationsperiode, doch viele Weine bewahrten überraschend viel Frische.
Die Rotweine zeigen intensive Frucht und reife Gerbstoffe. Chardonnay wirkt häufig kraftvoll und zugänglich, während Savagnin genügend Konzentration für einen langen Ausbau besitzt.
Für eine abschließende Bewertung ist 2022 noch jung. Die ersten Weine deuten jedoch auf einen erfolgreichen, reifen Jahrgang hin. Bei Spitzenweinen empfiehlt sich Geduld.

Welche Jahrgänge sollte man kaufen?

Für einen klassischen, säurebetonten Stil bieten sich besonders 2010 und 2019 an. Wer reifere, großzügigere Weine bevorzugt, findet in 2009, 2015, 2018, 2020 und 2022 interessante Möglichkeiten.
2017 ist vor allem wegen seiner Seltenheit und der Qualität einzelner Erzeuger spannend. In schwierigeren Jahren wie 2012, 2013, 2014, 2016 und 2021 sollte stärker nach Weingut, Lage und Abfüllung ausgewählt werden. Auch dort wurden ausgezeichnete Weine erzeugt, die Unterschiede zwischen den Betrieben sind jedoch größer.
Bei älteren Flaschen sind Füllstand, Verschluss und Lagerhistorie mindestens so wichtig wie der Jahrgang. Jura-Weine reagieren besonders empfindlich auf schlechte Lagerung, wenn sie in einem frischen, nicht oxidativen Stil ausgebaut wurden.

Wie lange können Jura-Weine reifen?

Leichte Poulsards werden häufig innerhalb von drei bis acht Jahren getrunken. Konzentrierte Trousseaus und Pinot Noirs können zehn bis fünfzehn Jahre oder länger reifen.
Hochwertige, aufgefüllte Chardonnays und Savagnins entwickeln sich oft über zehn bis zwanzig Jahre. Traditionell oxidative Weißweine sind gewöhnlich noch langlebiger.
Vin Jaune nimmt eine Sonderstellung ein. Gute Exemplare können mehrere Jahrzehnte reifen und selbst nach sehr langer Lagerung erstaunlich frisch wirken. Voraussetzung sind eine einwandfreie Flasche und konstante, kühle Lagerbedingungen.

Der Erzeuger bleibt wichtiger als die Jahrgangszahl

Die Jahrgangsangabe bietet eine wertvolle Orientierung, ersetzt aber nicht den Blick auf den einzelnen Wein. Im Jura unterscheiden sich Weinbergsarbeit und Ausbauphilosophie erheblich. Selbst im selben Jahr können zwei benachbarte Weingüter vollkommen unterschiedliche Weine erzeugen.
Die verlässlichste Auswahl verbindet daher drei Faktoren: einen starken Erzeuger, einen zum eigenen Geschmack passenden Weinstil und einen Jahrgang mit geeigneter Struktur. Wer diese Punkte berücksichtigt, findet im Jura einige der charaktervollsten und lagerfähigsten Weine Frankreichs.