Die 12 bekanntesten Weinsammler der Geschichte

Präsidenten, Unternehmer, Künstler und zwei berüchtigte Figuren des internationalen Weinmarktes

True Wine Redaktion 7 Min. Lesezeit Investment
Die 12 bekanntesten Weinsammler der Geschichte
Weinsammler verfolgen ganz unterschiedliche Ziele. Manche möchten die wichtigsten Weine einer Region dokumentieren, andere bauen vertikale Sammlungen über viele Jahrgänge auf. Wieder andere betrachten Fine Wine als Kulturgut, Investition oder festen Bestandteil ihrer Gastfreundschaft.
Die bekanntesten Sammler sind deshalb nicht zwangsläufig diejenigen mit den meisten Flaschen. Bedeutung kann durch die Qualität einer Kollektion, ihren historischen Einfluss, spektakuläre Auktionen oder eine besondere Rolle bei der Aufdeckung von Weinfälschungen entstehen.
Die folgende Auswahl ist keine Rangliste. Sie stellt zwölf Persönlichkeiten vor, deren Namen eng mit der Geschichte des Weinsammelns verbunden sind. Zwei davon – Hardy Rodenstock und Rudy Kurniawan – gehören allerdings aus problematischen Gründen dazu: Ihre Fälle veränderten den Umgang des Marktes mit Provenienz und Echtheit.

1. Thomas Jefferson

Thomas Jefferson, dritter Präsident der Vereinigten Staaten, gehört zu den frühesten gut dokumentierten amerikanischen Weinliebhabern. Während seiner Zeit als Gesandter in Frankreich bereiste er bedeutende Weinregionen und führte detaillierte Aufzeichnungen über Erzeuger, Preise und Jahrgänge.
Jefferson importierte europäische Weine in die Vereinigten Staaten und beriet auch andere Mitglieder der politischen Elite bei ihren Einkäufen. In Monticello versuchte er außerdem, europäische Rebsorten anzubauen – mit begrenztem Erfolg.
Sein Name wurde später durch die umstrittenen „Jefferson Bottles“ bekannt. Diese angeblich aus dem 18. Jahrhundert stammenden Flaschen trugen die Gravur „Th. J.“. Die Thomas Jefferson Foundation konnte ihre Zugehörigkeit zu Jefferson anhand seiner umfangreichen Unterlagen jedoch nicht bestätigen.

2. Andrew Lloyd Webber

Der britische Komponist Andrew Lloyd Webber begann bereits in jungen Jahren, sich für Wein zu interessieren. Seine Sammlung konzentrierte sich vor allem auf französische Spitzenweine und umfasste bedeutende Bordeaux- und Burgunderjahrgänge.
2011 ließ er in Hongkong 8.837 Flaschen versteigern. Die Auktion erzielte umgerechnet mehrere Millionen US-Dollar und fiel in eine Phase, in der die Nachfrage asiatischer Käufer nach europäischen Spitzenweinen stark zunahm.
Lloyd Webbers Sammlung zeigt, wie sich ein über Jahrzehnte aufgebauter Privatkeller zu einem international beachteten Auktionsereignis entwickeln kann.

3. Sir Alex Ferguson

Der langjährige Trainer von Manchester United entwickelte seine Weinleidenschaft während seiner Fußballkarriere. Besonders Bordeaux spielte in seiner Sammlung eine wichtige Rolle.
2014 bot Christie’s rund 5.000 Flaschen aus Fergusons Keller in Hongkong und London sowie über einen Onlineverkauf an. Die Sammlung umfasste zahlreiche bekannte Bordeaux-Châteaux und Weine aus gefeierten Jahrgängen.
Ferguson verglich das Sammeln von Wein mit dem Aufbau einer Fußballmannschaft: Geduld, langfristige Entwicklung und die richtige Auswahl zur richtigen Zeit seien entscheidend. Sein Name brachte das Thema Weinsammeln auch einem Publikum außerhalb der klassischen Weinszene näher.

4. Bill Koch

Der amerikanische Unternehmer Bill Koch besaß zeitweise Zehntausende Flaschen. Bekannt wurde er jedoch nicht allein wegen der Größe seines Kellers, sondern vor allem durch seinen Kampf gegen Weinfälschungen.
Nachdem Zweifel an mehreren angeblich aus Thomas Jeffersons Besitz stammenden Flaschen aufgekommen waren, ließ Koch deren Herkunft und Material untersuchen. Er führte anschließend mehrere aufwendige Gerichtsverfahren gegen Händler und Verkäufer mutmaßlich gefälschter Weine.
2016 wurden mehr als 20.000 Flaschen aus seiner Sammlung für rund 21,9 Millionen US-Dollar versteigert. Eine weitere große Christie’s-Auktion folgte 2025. Kochs Fälle trugen wesentlich dazu bei, dass Auktionshäuser und Sammler Provenienz heute ernster nehmen.

5. Michel-Jack Chasseuil

Der Franzose Michel-Jack Chasseuil baute über mehr als fünf Jahrzehnte eine Sammlung von ungefähr 50.000 Flaschen auf. Sein Ziel ging über privaten Genuss hinaus: Er wollte bedeutende Weine aus verschiedenen Ländern und Epochen als kulturelles Erbe bewahren.
Sein Keller enthält große Bordeaux, Burgunder, Champagner, Portweine und internationale Raritäten. Chasseuil bezeichnete seine Sammlung sinngemäß als einen „Louvre des Weins“.
2014 wurde er in seinem Haus von bewaffneten Einbrechern überfallen, die Zugang zum gesicherten Keller verlangten. Der Vorfall verdeutlichte, welche Sicherheitsrisiken mit öffentlich bekannten Sammlungen verbunden sein können.

6. Pierre Chen

Der taiwanische Unternehmer und Kunstsammler Pierre Chen zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Weinsammlern. Über mehrere Jahrzehnte trug er herausragende Burgunder, Bordeaux, Champagner und weitere Spitzenweine zusammen.
Chen ist dafür bekannt, Wein nicht nur als Anlageobjekt zu betrachten. Er verbindet seine Sammlung eng mit Essen, Kunst, Musik und Gastfreundschaft. Nach Angaben von Sotheby’s informiert er sich vor Restaurantbesuchen teilweise über das Menü, um passende Weine mitbringen und mit Köchen teilen zu können.
Die Auktionsserie „The Epicurean’s Atlas“ umfasste rund 25.000 Flaschen und wurde an mehreren internationalen Standorten durchgeführt. Sotheby’s bezeichnet Chen als einen der prominentesten Kunst- und Weinsammler weltweit.

7. Tawfiq Khoury

Der US-amerikanische Unternehmer Tawfiq Khoury besaß eine Sammlung von ungefähr 65.000 Flaschen. Sie gehörte zu den größten bekannten Privatkollektionen der Vereinigten Staaten.
1997 brachte Christie’s einen großen Teil des Kellers in einer mehrtägigen Auktion auf den Markt. Die Sammlung enthielt bedeutende Bordeaux, Burgunder und weitere europäische Spitzenweine.
Khourys Keller steht beispielhaft für Sammlungen, deren Umfang die realistisch konsumierbare Menge weit überschreitet. Eine spätere Versteigerung ist bei solchen Beständen häufig kein Zeichen des Scheiterns, sondern Teil der langfristigen Sammlungsgeschichte.

8. Leslie Rudd

Leslie Rudd war Unternehmer, Winzer, Gastronom und Förderer der amerikanischen Ess- und Weinkultur. Seine Sammlung konzentrierte sich besonders auf Napa Valley.
Im PRESS Restaurant in St. Helena entstand unter seiner Leitung eine außergewöhnlich tiefe Kollektion kalifornischer Weine. Das Ziel bestand darin, die Geschichte des Napa Valley anhand gereifter Flaschen und umfangreicher Jahrgangsreihen nachvollziehbar zu machen.
Rudds Ansatz unterschied sich von global ausgerichteten Sammlungen: Statt möglichst viele berühmte Regionen abzudecken, konzentrierte er sich auf die systematische Dokumentation einer Herkunft.

9. Gene Mulvihill

Gene Mulvihill baute für das Restaurant Latour in New Jersey eine Sammlung mit weit über 100.000 Flaschen auf. Besonders bekannt wurde der Keller durch seine historischen Bordeaux-Bestände.
Zu den Höhepunkten gehörte eine außergewöhnlich lange Vertikale von Château Latour. Auch andere große Châteaux wie Lafite Rothschild, Haut-Brion, Margaux, Ausone und Cheval Blanc waren über zahlreiche Jahrgänge vertreten.
Mulvihills Sammlung zeigt die besondere Rolle der Gastronomie: Ein Restaurantkeller kann gleichzeitig Verkaufsbestand, Reifearchiv und öffentlich zugängliche Sammlung sein.

10. Charlie Trotter

Der amerikanische Spitzenkoch Charlie Trotter verband Wein eng mit seiner Küche. Sein gleichnamiges Restaurant in Chicago besaß eine umfangreiche Sammlung seltener und gereifter Flaschen.
Trotters Ansatz ging über die klassische Vorstellung hinaus, zu einem fertigen Gericht einfach einen passenden Wein auszuwählen. Küche und Wein sollten sich gegenseitig beeinflussen. Teilweise wurden Gerichte an die von Gästen ausgewählten Flaschen angepasst.
Nach der Schließung des Restaurants und Trotters Tod wurden Teile des Bestands verkauft. Die Geschichte des Kellers zeigt, wie eng eine Sammlung mit der Persönlichkeit ihres Besitzers verbunden sein kann.

11. Hardy Rodenstock

Hardy Rodenstock war ein deutscher Weinhändler, Veranstalter und Sammler, der für spektakuläre Verkostungen extrem alter Weine bekannt wurde. Sein berühmtester Fund waren die sogenannten Jefferson-Flaschen.
Eine angebliche Flasche Château Lafite aus dem Jahr 1787 wurde 1985 bei Christie’s für einen damaligen Rekordpreis versteigert. Später entstanden erhebliche Zweifel an der Echtheit und Herkunft der Flaschen.
Rodenstock legte die genaue Fundstelle und den Verkäufer nie offen. Gerichtsverfahren und Untersuchungen machten den Fall zu einem Wendepunkt für den Fine-Wine-Markt. Heute gilt seine Geschichte weniger als Vorbild für Sammler, sondern als Warnung vor spektakulären Raritäten ohne überprüfbare Provenienz.

12. Rudy Kurniawan

Rudy Kurniawan trat in den 2000er-Jahren als wohlhabender Sammler und Kenner seltener Burgunder auf. Er veranstaltete Verkostungen, kaufte große Mengen und verkaufte begehrte Flaschen über Auktionen.
Zweifel entstanden, als Weine angeboten wurden, die es in den angegebenen Jahrgängen oder Formaten nicht geben konnte. Bei einer Durchsuchung seines Hauses fanden Ermittler alte Flaschen, Korken, Etiketten und Materialien zur Herstellung von Fälschungen.
Kurniawan wurde 2013 wegen Betrugs verurteilt und 2014 zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Fall wurde im Dokumentarfilm Sour Grapes aufgearbeitet. Er zeigte, wie stark Vertrauen, Gruppendynamik und vermeintliche Expertise die Prüfung einer Flasche überlagern können.

Was lässt sich von berühmten Sammlern lernen?

Trotz ihrer unterschiedlichen Geschichten zeigen diese Sammlungen wiederkehrende Prinzipien:
  •  Ein klares Sammlungskonzept ist wichtiger als reine Größe. 
  •  Umfangreiche Vertikalen können eine Region oder einen Erzeuger dokumentieren. 
  •  Professionelle Lagerung erhält Qualität und Marktwert. 
  •  Jede wertvolle Flasche braucht eine nachvollziehbare Provenienz. 
  •  Berühmte Namen und spektakuläre Geschichten ersetzen keine Prüfung. 
  •  Eine Sammlung sollte dokumentiert, versichert und sicher verwahrt werden. 
  •  Auch große Keller werden irgendwann getrunken, verkauft, gestiftet oder vererbt. 

Fazit

Thomas Jefferson, Andrew Lloyd Webber und Sir Alex Ferguson machten ihre Weinleidenschaft weit über die Weinwelt hinaus bekannt. Michel-Jack Chasseuil, Pierre Chen, Tawfiq Khoury und Gene Mulvihill stehen für Sammlungen von außergewöhnlicher Größe und Systematik. Bill Koch veränderte mit seinem Kampf gegen Fälschungen den internationalen Markt.
Hardy Rodenstock und Rudy Kurniawan gehören ebenfalls zur Geschichte des Weinsammelns – allerdings als Mahnung. Ihre Fälle zeigen, dass eine seltene Flasche nur so glaubwürdig ist wie ihre dokumentierte Herkunft.